Wer am frühen Morgen in Japan unterwegs ist, hat eventuell schon einmal vor einem Unternehmen oder einer Schule die ein oder andere Gruppe bei der Morgengymnastik gesehen. Diese gemeinschaftlichen Übungen gibt es in ähnlicher Form auch in anderen Ländern Ostasiens und sie haben eine lange Tradition.

Die japanische Radio-Gymnastik gibt es seit 1928. Mit einer Unterbrechung nach dem 2. Weltkrieg und einer Überarbeitung, um zu martialische Übungen zu ersetzen, wurde sie ab 1951 fortgesetzt. Während des zweiten Weltkriegs wurde Rajio Taiso mit entsprechenden Übungen eben auch dazu benutzt die Soldaten fit zu halten.

Auch heute noch strahlt der staatliche Rundfunk NHK jeden Morgen um 6:25 Uhr die Übungen für jedem zum Mitmachen aus. Es gibt zwei verschiedene Choreografien, die sich täglich abwechseln und sonntags werden beide hintereinander durchgeführt, schließlich ist ja Feiertag ist.

Da das Radio mittlerweile nicht mehr der einzige Verbreitungsweg ist, gibt es Anleitungsvideos natürlich auch im Netz. Mit einer Übungsdauer von jeweils 3 Minuten sind die Übungen gut für eine Auflockerung zwischendurch geeignet.

Auch gibt es spezielle Übungsabläufe für Menschen mit Beeinträchtigungen, so dass man diese beispielsweise auch im Sitzen machen kann. Diese Variante nennt sich dann Minna no Taiso みんなの体操, also „Gymnastik für Alle“.

 

Ganz neu scheint eine Variante für alle diejenigen zu sein, denen die Anstrengung noch nicht reicht und die Muskeln aufbauen wollen. Zumindest hat NHK die Videos gerade erst Ende August 2018 veröffentlicht. Jetzt gibt es also auch Minna de kinniku taiso みんなで筋肉体操 – Muskelgymnastik für Alle.

Man liest immer wieder von Japanern, die seit Jahrzehnten die Radiogymnastik an keinem einzigen Tag ausgelassen haben. Wer die Übungen lieber auswendig lernen möchte, als auf den Bildschirm zu schauen, findet Anleitungsblätter für alle Übungen bei NHK.

Zum Schluss…

Zum Schluss noch ein musikalischer Kommentar zum Thema vom Yellow Magic Orchestra: ihr Stück „Taiso“ (also „Sport/Gymnastik“) aus ihrem Album „Technodelic“ aus dem Jahr 1981.